Gedichte
Es waren einmal zwei Frauen die sich nie begegnet waren Eine an die du dich errinnerst Die andere die du Mutter nennst Zwei verschiedne Leben, zur Vollendung eines Einzigen dem Deinen

Die eine Frau war dein guter Stern
die andere ist deine Sonne
Die erste gab dir das Leben
die andere lehrte es dich zu leben
Die erste erschuf in die den Hunger nach Liebe
die Zweite war da um ihn zu stillen
Die eine gab dir deine Wurzeln
Die andere gab dir deinen Namen
Die erste gab dir deine Fähigkeiten
Die Zweite gab dir ein Ziel
Die eine erschuf in dir Emotionen
Die zweite beruhigte deine Ängste
Die eine erhielt dein erstes Lachen
Die andere trocknete deine Tränen

Die eine gab dich frei zur Adoption
das war alles was sie für dich tun konnte
Die andere betete dafür ein Kind zu haben
und Gott führte sie zu dir

Und wenn du nun unter Tränen die ewige Frage stellst:

Erziehung oder Vererbung? Wessen Frucht bin ich nun?
Weder der Einen noch der Anderen, sondern eine Frucht zweier verschiedener Formen von Liebe!

Adoption
Einen alten Eichenbaum
welcher stand am Waldessaum
erklettert mit Geflöt
ne junge Schildkröte

Auf einem Aste angekommen
welchen mit Müh sie hat erklommen
breitet aus sie Arm und Beinchen
springt - das ohne Bundgeeseilchen
Platsch - knallt sie am Boden auf
rappelt sich schnell wieder auund erklimmt, was sie nicht scheut
den Eichenbaum nun glatt erneut

Wieder steht sie auf nem Ast
prüft den Wind ganz ohne Hast
Breitet aus, als würds gelingen
Arm und Beinchen wie paar Schwingen

Und nach dienem herben Sturz
schüttelt sie sich eben kurz
dreht sich um fast wie im Traum
und klettert wieder auf den Baum

So geht es hin so geht es her
der armen Kröte fällt es schwer
immer wieder tut sie's wagen
doch die Luft will sie nicht tragen
Ganz oben sitzt ein Pärchen Raben
die sich an derm Schauspiel laben
"Wir stoppen jetzt wohl die Aktion und beichten ihm die Adoption!"

Menschen

Menschen die barfuß durchs Leben gehen, setzen sich bewusst der Verletzlichkeit aus. Sie verzichten auf den Schutz einer Sohle an ihrer Seele,

um den Weg, den sie beschreiten, mit empfindsamen Füßen wahrnehmen zu können.

Sie wissen, wie es sich anfühlt, auf taufeuchtem weichem Gras zu stehen oder wie feiner, heißer Sand unter den Füßen wegrutscht.

Genauso kennen sie aber auch den Schmerz, den das Gehen über Kieselsteine bereitet und sie sind sich bewusst, dass man auch bei größter Sorgfalt nicht allen Scherben aus dem Weg gehen kann.

Trotzdem möchten sie die täglichen Unebenheiten das Lebens nicht aus ihrer Seele ausschließen.

Viele Menschen tragen ihr ganzes Dasein hindurch Schuhe. Zweckgebundene Fußbekleidung. Nützlich und hinderlich zugleich.

Undurchdringliche Arbeitsschuhe, beständig gegen Säure und mit Stahlkappen. Die Seele ist bestens gegen jegliche Verletzungen geschützt. Leider sind diese Schuhe schwer und sehen unschön aus. Und ein leichtfüßiges Dahinhüpfen ist in ihnen nicht mehr möglich.

Oder edle, hochhackige Sandalen. Sie werden von jedermann bewundert, sind aber völlig ungeeignet, um damit längere Distanzen zurückzulegen. Und oft tritt man anderen mit den spitzen Absätzen auf die Zehen und verletzt sie.

Oder die gammeligen, alten Hausschlappen. Schrecklich bequem, aber hoffnungslos ausgelatscht. Für schweres Gelände kaum zu gebrauchen.

Genauso wie die leichten Strandschläppchen. Dünne, billige Dinger in allen Farben und Formen. Schnell angezogen und genauso schnell wieder weggeworfen oder verloren.

Welche Sorte Schuhe trägst DU an DEINER Seele? Bist DU das Barfußlaufen noch gewöhnt?