Der lange Weg der Suche
Sich mit der eigenen Adoption auseinander zusetzten erfordert eine Menge Gedult, Kraft und Zuversicht. Viele fantasieren und versuchen sich vorzustellen wie die leiblichen Eltern sein könnten, was man vererbt bekommen hat, welche Talente die Eltern haben. Aber man muss an der Stelle sehr vorsichtig sein! Es ist weder gesagt dass die Eltern besondern toll, begabt und reich sind, noch dass sie in sehr schlechten Verhältnissen leben müssen. Seit der Adoption sind viele Jahre vergangen und es kann viel passiert sein. Daher sollte man offen sein für alles und sich auch auf einiges gefasst sein. Es kann vorkommen dass die leibliche Mutter ihr Kind sofort glücklich in die Arme schließt, es kommt aber auch zu Ablehnungen. Abgebenede Mütter haben sehr lebenslang mit der Abgabe des Kindes zu kämpfen. Sie werden gesellschaftlich verurteilt ohne dass beachtet wird, dass die Adoption für das Kind ein neues, sicheres Leben bedeuten kann.

Desweiteren kommt es nicht selten vor, dass es noch weitere Geschwister gibt. Es kann sein, dass es noch jüngere Geschwister gibt, die bei der Mutter geblieben sind. Daraus sollte man aber keine voreiligen Schlüsse ziehen. Oft war die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt zu jung oder in schlechter finanzieller Situation um dem Kind ein stabiles, sicheres zuhause bieten zu können. (Siehe Links) Vielleicht hat sie danach trotzdem geheiratet oder weitere Kinder bekommen. Wie schon gesagt, es gibt tausende von Möglichkeiten. Wenn man nicht direkt fragt kann man auch nicht sicher sein wie es war.

Besonders schlimm ist es dann natürlich wenn die leiblichen Eltern schon verstorben sind und keine Antwort auf all die Fragen geben können. An dieser Stelle ist es wichtig Geschwister, Verwandte und Freunde ausfindig zu machen. Auch Nachbarn und evtl. Schulkameraden können weiter Auskünfte über das Leben der Mutter (des Vaters) geben.

Nachfolgend sind Hilfestellungen für Inlandadoptierte sowie Auslandadoptierte

Inlandadoptierte

1. Standesamt (Abstammungsurkunde; gebührenpfllichtig)

- Adoptionsunterlagen im Amtsgericht oder Eltern

2. Einwohnermeldeamt (Adresse schriftlich anfragen)

- Jugendamt (Kreisjugendamt/ Geburtsstadt)

3. Internet, Personensuche, u.ä

- offene Gespräche mit Eltern

- Umfrage beim Vermieter oder Nachbarn des angegebenen Wohnsitzes

- Klassenbücher - Schulkameraden

- Gemeindebücher

Auslandsadoptierte

Landesjugendämter (Adoptionsmappe

Vermittlungsorganisation

- Terre des hommes

- Adoptionsopfer (Links)

- tdh (Links)

- Kinderheime (bedingt)

- Botschaften (bedingt)

- Spoorloos kro (Links)

- Mail an uns

Die wichtigsten und ersten Ansprechpartner sollten wenn möglich die Eltern sein. Die Suche geheim zuhalten ist nicht die Lösung sondern schafft verstärkt Misstrauen und Entfremdung. Sicherlich müssen die Eltern sich darann gewöhnen dass ihr Kind nach der Mutter u.a. sucht, jedoch ist es in der Regel so, dass durch die Suche die Bindung zwischen Eltern und Adoptivkind noch enger wird. Ist das Vertrauen ohnehin nicht sehr groß, wird die Suche andererseits aber auch dort nichts verschlechtern. Wenn man sich selber mit seinen Gefühlen in den Mittelpunkt stellen darf, dann an dieser Stelle! Adoptierte haben ein Recht auf Wissen über ihre Herkunft! Ohne Einwilligung der Eltern bekommt man in Deutschland ab 16 Jahren Auskunft!

Speziell Auslandadoptierte müssen sehr vorsichtig sein bei Informationen die nicht aus 100% sicheren Quellen stammen. Die Adoptionsmappe bietet schon mal die ersten Ansatzpunkte für die Suche. Desweiteren muss überprüft werden über welche Organisation die Adoption abgewickelt worden ist und ob Papiere über die Freigabe vorliegen. (Was nicht immer der Fall ist - siehe Kinderhandel). Oftmals werden bei Organisationen auch nicht alle Informationen raus gegeben. Insbesondere Auslandadoptierten werden gerne Steine in den Weg gelegt bei der Suche nach den leiblichen Eltern. Daher ist es ratsam sehr zurückhaltend Informationen an Dritte heraus zugeben. Es soll sogar Fälle gegeben haben, bei denen die Adoptiveltern aus Angst vor Aufdeckung der illegalen Adoption konkrete Maßnahmen gegen das Kind und die Suche unternommen haben. Gerade wenn die Adoption tatsächlich nicht korrekt abgelaufen ist, wird man alles tun um die Adoptierten daran zuhindern das Adoptionsverfahren auf zurollen und die Hintergründe zu erforschen! Es kann durchaus Vorkommen dass in den deutschen Akten festgehalten ist, dass es ein Findelkind ist - jedoch im Land selber ganz anders abgelaufen ist und dort dokumentiert ist wer die Eltern sind.

Als letzten Punkt sollte noch zu Jugendämtern allgemein gesagt werden, dass dieser Weg gerade für Inlandadoptierte oftmals der einfacherer Weg ist. Jedoch kann es zu sehr langen Wartezeiten kommen. Daher sollte man immer wieder die Initiative ergreifen und von sich aus nachfragen. Dem Jugendamt ist es letztendlich egal ob man Findet oder nicht! Jedoch sollte man auch nicht zu negativ denken und zuviel Scheu davor entwickeln dort nach zufragen. Letztendlich haben die Mitarbeiter dort schon einige bis sehr viele Adoptierte gesehen und kennen sich mit der Gefühlswelt und den Interessen der Adoptierten ganz gut aus. Dies sollte auch im Gespräch deutlich werden. Zudem muss die persönliche Geschichte nicht erzählt werden. Die Adoptionsakte liegt ihnen vor oder kann beschafft werden, so dass sie sich selber darüber informieren können auch auf evt. negative Ergebnisse oder traurige Geschehnisse und Vergangenheit / Herkunft vorbereiten können. Sie kommen auch kostenlos an Informationen vom Einwohnermeldeamt o. Ä. Das Familienstammbuch mit wichtigen Informationen kann ebenfalls beschafft werden.

Alle dargestellten Wege des Suchens und Findens sind nur Vorschläge und gehen hervor aus vielen Gesprächen mit Adoptierten die Gefunden haben und eigenen Erfahrungen. Es gibt leider kein Rezept für eine schnelle Problem und schmerzlose Suche.