Träume und Phantasien
Am Ende des langen und steinigen Weges - der Suche – findet jeder etwas anderes vor. Vorstellungen, Phantasien, gedankliche Treffen und tausende von Erwartungen haben uns begleitet. Oftmals steht große Angst im Vordergrund über die Gefühle die einem im Moment des ersten Treffens oder eines Fotos überkommen. Es scheint etwas übermächtig Großes zu sein, was einem dort gegenüber steht. Innerlich droht man zu zerreizen, vor Hoffnung und Angst. Man versucht abzuwägen zwischen den eigenen Gefühlen gegenüber der leiblichen Eltern und Geschwister und Erzähltem.

Es gibt Adoptierte die es schaffen ihr Erwartungen auf das absolute Minimum zu reduzieren und sich bewusst von ihrem Ursprung abgrenzen, noch ehe sie diesen kennen. Andere hingegen träumen sich in eine Welt voller Liebe und Wärme. In all den Jahren der Trennung ist man eine eigene Persönlichkeit geworden – zum mindest, soweit es einem Adoptierten möglich ist. Denn die innere Unruhe lässt einen immer wieder zweifeln und bringt einen zum wanken. Die Adoptiveltern haben einem Ideale und Werte mit auf den Weg gegeben. Ob man seine Adoptiveltern nun liebt oder nicht, so ist man doch durch sie gewachsen und hat sich durch sie verändert, so wie man sich durch alle Begegnungen etwas verändert.



Wie groß sind die Einflüsse der Gene und der Zeit mit den leiblichen Eltern? Das auch ein Säugling den Bruch zu seiner ersten Bezugsperson spürt – der leiblichen Mutter, die es über 9 Monate in sich getragen hat, dessen Herzschlag und Stimme es kennt – ist bewiesen. Was passiert nun, wenn man diese Person wieder trifft? Fühlt man eine Zusammengehörigkeit? Empfindet man etwas altbekanntes? Es gibt viele Adoptierte die von einem absoluten Glück berichten, bei denen die leibliche Mutter (Vater) sie sofort in die Arme schließt. Adoptierte die sich absolut vertrauensvoll fallen lassen und ein sofort eine Zusammengehörigkeit fühlen. Es gibt aber auch Adoptierte, die ihre leiblichen Eltern wie Fremde empfinden. Sie empfinden es eher wie ein Bekannter oder bei Geschwistern wie ein neuer Freund. Dennoch kann doch bei nahezu allen Adoptierten gesagt werden, dass sie eine absolute Ruhe verspüren. Es kehrt eine Ausgeglichenheit in den Körper und die Seele ein, die zuvor nie spürbar war. Die Zeit scheint stehen zu bleiben. Gedankenkreise die man Jahrelang immer aufs neue entlang gewandert ist, sind durchbrochen! Bilder und Situationen die einen zum weinen gebracht haben, aus unerklärlichen Grund, lassen einen nun unwillkürlich lächeln. Ein innerer Druck ist entschwunden und in etwas unbeschreiblich beruhigendes, eine ganz neue Antriebskraft umgewandelt worden. Während der eine Adoptierte sich in seiner Persönlichkeit bestätigt fühlt und für viele Wesenszüge Erklärungen findet, so bildet ein anderer bewusst eine eigene Persönlichkeit, um sich von seinen Wurzeln abzugrenzen!

Jeder wird letztendlich mit dem Spagat zwischen Herkunft und eigener Erziehung konfrontiert. Sehr oft findet dieser Spagat nicht nur innerlich, im Bezug auf Charakter statt, sondern auch gesellschaftlich. So sehr wir es uns sicherlich alle schon einmal erträumt haben, aber nur die wenigsten Herkunftseltern sind berühmt, reich oder adelig. Besonders schwierig wird es für Adoptierte dessen Wurzeln ganz oder zum Teil in einem anderen Land zu finden sind. Andere Kulturen stellen meist einen großen Zwiespalt der Gefühle und des Bewusstseins da. Vielleicht führt man ein Leben was so ganz und gar nicht nach den Auffassungen der anderen Kultur ist?! Es kommt also früher oder später die Frage auf, was man mit dem was man vorgefunden hat macht. Wie weit lasse ich es mein Leben beeinflussen? Welche Wichtigkeit haben die neuen Verwandten in meinem Leben? Und vor allem: Ändert sich das Verhältnis zu meinen Eltern? Dies alles sind sehr wichtige Fragen die einer Klärung bedürfen! Leider sind es auch Fragen die nur jeder für sich selber klären kann. An der Stelle kann der Austausch mit anderen Adoptierten sehr hilfreich sein, da sie ähnliche Situationen durchleben. Aber generell lassen sich keine Antworten finden.

Zum Abschluss sollte vielleicht noch hinzugefügt werden, dass all diese Prozesse sehr anstrengend sind und Schmerzen sowohl körperlich als auch seelisch hervorrufen. Daher sollte man immer auf seine Seele hören! Denn der Kopf gewöhnt sich am schnellsten an neue Situationen und Erfahrungen. Die Seele allerdings kommt oft nicht nach und braucht viel mehr Zeit um Geschehnisse zu verarbeiten! Spätestens wenn man morgens schon während des Wachwerdens an all die neuen Dinge denkt, sollte man dringend einen Schritt zurück schalten! Denn die Seele währt sich ansonsten mit körperlichen Schmerzen. ( Siehe auch Energie & Selbstfindung) Magen- sowie Kopf und Rückenschmerzen können chronisch auftreten! Zwischendurch also ruhig mal einen Stopp einlegen und sich selber eine Pause verordnen! Und über all die inneren Prozesse hinweg – vernachlässigt auf keinen Fall euer normales Umfeld, Freunde usw. Ein schöner Abend mit Freunden oder Sport kann wunder wirken und befreit Kopf und Seele!