| Wiedersehen nach 22 Jahren | |||||
| Jaunpur/Basel (AP) Nach 22 Jahren in der Fremde ist am 20. Juli eine 28-jährige Frau in ihr indisches Heimatdorf zurückgekehrt. Eigentlich kein besonderer Vorgang - wäre die Frau nicht 1981 entführt worden, inzwischen Schweizer Staatsbürgerin und hätte sie nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihre leibliche Familie wiederzufinden. Shazadi Reist, wie die junge Frau heute heißt, hatte nach ihrer Geburt den Namen Shahajahan erhalten. Als sie sechs Jahre alt war, wurde Shahajahan entführt und kam in die indische Tempelstadt Varanasi. Dort riss das Mädchen nach eigenen Angaben aus und bestieg einen Zug, der es nach Kalkutta führte. Dort wurde sie von der Polizei aufgegriffen und einem Heim für heimatlose Kinder übergeben. Zwei Jahre später wurde das Kind von einem Schweizer Ehepaar adoptiert und in die Schweiz gebracht. Hier wuchs Shazadi als Schweizerin auf, heiratete einen Schweizer und betreibt heute ein Kosmetikinstitut. Aber die Vergangenheit ließ Shazadi nicht los. Im Oktober nahm sie Kontakt zu dem Polizisten M. S. Upadhaya von der Kriminalpolizei in Neu-Delhi auf. In einem Brief erzählte sie ihre Geschichte und bat ihn, ihr bei der Suche nach ihrer Familie zu helfen. Sie erinnerte sich, dass ihr Vater in einem kleinen Dorf Friseur war, wie Upadhaya der Nachrichtenagentur AP sagte. Shazadi wusste auch noch, dass ihre Mutter eine Brandwunde an einem Bein mit Kartoffelbrei behandelte. Sie erinnerte sich auch an Feste im Dorf aus Anlass des Besuchs der damaligen Ministerpräsidentin Indira Gandhi. Upadhaya erzählte die Geschichte Journalisten. Sie erschien im Dezember in der Zeitschrift «Suspense Stories», einem auf Kriminal- und andere Geschichten spezialisierten Magazin. Dort las ein Freund von Shazadis Vater die Geschichte und informierte die Familie, wie Shazadis jüngerer Bruder Mohammed Ahmad in einem Telefoninterview berichtete. Sein Vater, Mohammed Rafi, schrieb an Weihnachten an Upadhaya, Shazadi könne seine verschwundene Tochter sein. Rafi legte Beweisstücke bei, die Upadhaya an Shazadi und ihren Mann in die Schweiz schickte. Laut Upadhaya bestand die Familie aber auf einem DNS-Vaterschaftstest, ehe sie Rafi als leiblichen Vater Shazadis anerkannte. Ärzte in der Schweiz und in Indien beschafften das Vergleichsmaterial der beiden und schickten es an ein Labor in Basel. Am 26. Februar stand der Befund fest: Mit 99,9-prozentiger Sicherheit ist Rafi der leibliche Vater von Shazadi. «Hurra, hurra, es ist zu 99,9 Prozent sicher, dass wir wirklich Schwester und Bruder sind. Ich habe meine wahre Familie wieder gefunden», schrieb sie Ahmad schon zwei Tage später am 28. Februar. Shazadi traf ihre leiblichen Eltern jetzt am Sonntagabend in dem unscheinbaren Dorf Jaunpur im indischen Staat Uttar Pradesh. «Ich bin überglücklich, meine Schwester zu treffen, die wir vor 22 Jahren verloren hatten», sagte Ahmad am Telefon. Vater und Mutter seien von Gefühlen überwältigt. «Sie weinen nur noch, seit sie Shazadi getroffen haben», sagte Ahmad. Die drei könnten sich aber nicht miteinander unterhalten, sagte er. Shazadi spreche weder Hindi noch Englisch, beherrsche Letzteres aber schriftlich. «Wir können sie nicht bitten, bei uns zu bleiben, dazu sind wir zu arm», sagte Ahmad: «Sie ist ein gutes Leben gewöhnt, doch können wir diesen Luxus nicht bieten.» Aber er fügte hinzu: «Allah sei Dank, dass wir unsere Schwester wieder gefunden haben. Was wollen wir mehr.» Eine Begleitperson berichtete, auch Shazadi sei überglücklich gewesen, ihre Familie gefunden zu haben |
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